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Amazon AWD: So funktioniert Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon

Volle FBA-Lager, Kapazitätslimits und teure Lagergebühren im vierten Quartal: Wer auf Amazon wächst, stößt früher oder später an die Grenzen des klassischen Fulfillment. Genau hier setzt Amazon AWD an. Seit dem 20. August 2026 gibt es den Dienst auch in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich, und er verändert, wie Marken ihren Bestand planen.
Dieser Ratgeber erklärt, was hinter AWD steckt, wie das Zusammenspiel mit dem FBA-Netzwerk funktioniert, was es kostet und für wen sich der Schritt wirklich lohnt.
Amazon AWD erklärt: Cover-Grafik zum Ratgeber über Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon für Markenhersteller

Was ist AWD? Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon

AWD steht für Amazon Warehousing and Distribution, auf Deutsch „Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon“. Gemeint ist ein Großlager, das dem FBA-Netzwerk vorgeschaltet ist. Statt Deine Ware direkt in die Logistikzentren zu schicken, aus denen Amazon an Kunden versendet, lagerst Du größere Mengen palettenweise oder in großen Kartonmengen in einem AWD-Verteilzentrum ein. Von dort füllt Amazon Deine Versandbestände automatisch und bedarfsgerecht nach.
Wer online nach dem Begriff sucht, landet übrigens schnell bei Amazon Web Services. Mit dem Cloud-Dienst hat Amazon AWD nichts zu tun: Es geht ausschließlich um Logistik und Bestandsführung für Seller. Einen ersten Überblick über den Europa-Start findest Du in unseren Neuigkeiten für Amazon Verkäufer im September 2026.

So funktioniert AWD: vom Großlager ins Amazon FBA Lager

Das Prinzip ist zweistufig. Im ersten Schritt sendest Du Deinen Vorrat an AWD, wo er günstig und ohne Kapazitätsdruck liegt. Im zweiten Schritt verschiebt Amazon Teilmengen in das Amazon FBA Lager, sobald der Abverkauf es erfordert. Mit aktivierter automatischer Nachfüllung musst Du keine einzelnen Sendungen mehr planen: Amazon berechnet anhand Deiner Verkäufe, wann welche Menge in welches Logistikzentrum muss.
Für Dich heißt das: Dein Bestand im Amazon FBA Lager bleibt schlank und verkaufsnah, während der Großteil Deiner Ware im Vorratslager wartet. Das senkt das Risiko von Out-of-Stocks, gerade in Peaks wie Prime Day oder Black Friday, wo ausverkaufte Deals bezahlte Sichtbarkeit verschenken. Wie Du solche Events bestandsseitig planst, zeigt unser Beitrag zur Amazon Black Friday Woche.

Amazon AWD vs. FBA: die Unterschiede im Überblick

Beim Vergleich Amazon AWD vs. FBA geht es nicht um ein Entweder-oder. AWD ersetzt das Amazon FBA Lager nicht, sondern ergänzt es. Die Unterschiede liegen in Zweck und Kostenlogik:
  • Zweck: FBA ist das Versandlager für den täglichen Abverkauf, AWD das Vorratslager für Monate.
  • Lagerkosten: AWD arbeitet mit einem niedrigen Pauschalpreis pro Kubikmeter, FBA mit saisonal steigenden Gebühren und Kapazitätslimits.
  • Lagerdauer: Bei FBA fallen ab rund 241 Tagen Altbestandsaufschläge an. AWD ist genau für längere Lagerdauer gebaut.
  • Steuerung: Bei FBA planst Du jede Sendung selbst, bei AWD übernimmt Amazon die Nachfüllung.
Die Faustregel aus der Praxis: Liegt Ware im Schnitt kürzer als etwa vier Monate, ist der direkte Versand ins FBA-Netz meist günstiger. Bei längerer Reichweite spielt Amazon AWD vs. FBA seine Stärken aus.

Kosten und Gebühren: Was AWD wirklich kostet

AWD rechnet in drei Bausteinen ab: Lagerung, Bearbeitung (Ein- und Auslagerung) und Transport ins FBA-Netz. Nach aktuellen EU-Tarifen liegt die Lagergebühr bei rund 12 € pro Kubikmeter und Monat. Zum Vergleich: Für Standardgrößen zahlst Du bei FBA außerhalb von Q4 knapp 28 €, im vierten Quartal über 50 € pro Kubikmeter. Der Transport von AWD in die Versandzentren kostet zusätzlich rund 38 € pro Kubikmeter.
Zum Start lockt Amazon mit einer Aktion: Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 entfällt die AWD-Lagergebühr, Bearbeitung und Transport werden regulär berechnet. Ab Januar 2027 gelten die normalen Sätze. Prüfe die aktuellen Gebühren vor jeder Entscheidung direkt in Seller Central, denn Amazon passt sie regelmäßig an.
Wichtig für die Kalkulation: Die Ersparnis bei der Lagerung muss die Transport- und Bearbeitungsgebühren übersteigen. Rechne deshalb pro ASIN mit Volumen, Lagerdauer und Abverkauf, nicht pauschal fürs ganze Sortiment.
So funktioniert Amazon AWD: Ware vom Hersteller ins AWD-Großlager, automatische Nachfüllung ins Amazon FBA Lager und Versand an den Kunden

Voraussetzungen: Amazon SSCC, Paletten und Inbound

AWD nimmt Ware nur sauber vorbereitet an. Deine Produkte müssen FBA-konform verpackt und etikettiert sein, denn Amazon verschiebt sie später ohne weiteres Zutun in die Versandzentren. Jeder Karton braucht ein eindeutiges Etikett mit Serial Shipping Container Code. Über die Amazon SSCC-Nummer verfolgt Amazon jede Versandeinheit durch den gesamten Prozess.
Die Anlieferung läuft über das AWD-Portal in Seller Central: Du legst eine Sendung über „Send to AWD“ an, wählst Paletten- oder Kartonversand und druckst die Etiketten. Fehlt das Etikett oder ist eine Nummer doppelt vergeben, drohen Verzögerungen bei der Einlagerung. Plane die Amazon SSCC-Vergabe deshalb von Anfang an in Deinen Lager- oder Speditionsprozess ein.
Nicht jedes Produkt ist zugelassen. Ausgeschlossen sind unter anderem Gefahrgut, schmelzbare und gekühlte Ware, Schmuck sowie Übergrößen und schwere Artikel. Für sperrige Produkte bleibt der Weg über spezialisierte Standorte wie das Amazon Logistikzentrum für große Artikel.

Für wen lohnt sich AWD?

AWD lohnt sich vor allem für Marken mit planbarer Nachfrage und großen Bestellmengen. Typische Fälle: Ware aus Übersee, die in großen Losen ankommt; saisonale Produkte, die Monate vor dem Peak eingelagert werden; und Sortimente, die regelmäßig an FBA-Kapazitätslimits stoßen.
Weniger geeignet ist AWD für schnell drehende Artikel mit kurzer Reichweite und für Marken, die ihren Vorrat auch für andere Kanäle nutzen wollen. In den USA kann AWD auch eBay oder den eigenen Shop beliefern, in Europa ist das zum Start nicht vorgesehen. Bestellungen aus dem eigenen Shop wickelst Du weiterhin über Multi-Channel-Fulfillment aus dem FBA-Bestand ab.

AWD einrichten in 4 Schritten

  1. Bestand analysieren: Ermittle pro ASIN Lagerdauer, Volumen und Abverkauf. Nur Produkte mit langer Reichweite gehören ins AWD.
  2. Sendung anlegen: Im AWD-Portal „Send to AWD“ wählen, Mengen festlegen, Paletten oder Kartons definieren.
  3. Etikettieren und versenden: Amazon SSCC-Etikett auf jeden Karton, Ware FBA-konform vorbereiten, Anlieferung terminieren.
  4. Nachfüllung aktivieren: Automatische Nachfüllung einschalten und Mindestbestände im FBA-Netz regelmäßig prüfen.

Typische Fehler und wie Du sie vermeidest

Der häufigste Fehler: das ganze Sortiment ungeprüft ins AWD verlagern. Schnelldreher zahlen dann doppelt, für Transport und Bearbeitung, ohne von der günstigeren Lagerung zu profitieren. Ebenso teuer ist eine schlampige Vorbereitung: Fehlende oder doppelte Etiketten blockieren den Wareneingang genau dann, wenn der Bestand gebraucht wird.
Unterschätzt wird außerdem der Vorlauf. Ware im Vorratslager ist nicht sofort verkaufsbereit, die Nachfüllung in die Versandzentren braucht Zeit. Wer für ein Event plant, muss frühzeitig einlagern und die Nachfüllung rechtzeitig anstoßen. Und: Behalte die Langzeitlagergebühren bei FBA im Blick. AWD hilft nur, wenn Du den Versandbestand wirklich schlank hältst.

Das Soulutions Experten Fazit

Amazon AWD ist kein Ersatz für FBA, sondern dessen Vorratskammer. Richtig eingesetzt senkt der Dienst Lagerkosten, entschärft Kapazitätslimits und schützt vor Out-of-Stocks in den umsatzstärksten Wochen des Jahres. Unsere Empfehlung: Prüfe Deine ASINs einzeln, starte mit Produkten mit langer Reichweite und nutze die gebührenfreie Startphase bis Ende 2026, um AWD mit echten Zahlen zu testen. Wer gerade erst startet, legt mit unserem Ratgeber Amazon Seller werden das Fundament. Als Full‒Service‒Amazon‒Agentur unterstützt Soulutions Marken dabei, Logistik, Bestand und Wachstum auf Amazon zusammenzudenken.
Jan Radoch, CEO und Founder von Soulutions
Autor

Jan Radoch

CEO & Founder, Soulutions

Seit 2009 arbeitet Jan auf Amazon: erst als Seller, dann in leitender E-Commerce-Funktion bei Herstellern, heute als Gründer einer Full-Service-Agentur. Jede Station hatte dasselbe Ziel: Erfahrung so einzusetzen, dass Marken auf Amazon nachhaltig wachsen. Mit seinem Team hat er bereits über 50 Marken erfolgreich skaliert, und jede davon profitiert von dem, was er in mehr als 15 Jahren auf allen Seiten des Marktplatzes gelernt hat.

seit 2009Amazon Erfahrung
50+skalierte Marken
100+betreute Accounts

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